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Pedro Torres im Interview: Riwal – ein Jahr nach der ersten Welle

Pedro Torres im Interview: Riwal – ein Jahr nach der ersten Welle

Das internationale Fachmagazin „Access International“ hat mit Pedro Torres, CEO der Riwal Gruppe, in einem Interview über die Entwicklungen auf dem Markt der Höhenzugangstechnik im Allgemeinen sowie bei Riwal im Speziellen gesprochen. Wie ist der Stand ein Jahr nach dem ersten Lockdown? Welche langfristigen Auswirkungen sind zu erwarten und mit welchen Innovationen hat Riwal auf die Krise reagiert?

Das Interview in englischer Sprache können Sie sich hier im Originallaut anhören.

Wer lieber auf Deutsch liest, dem haben wir den Artikel aus der „Access International“, Ausgabe May/June 2021, übersetzt.

 

Riwal – ein Jahr nach der ersten Welle

Im vergangenen Jahr um diese Zeit war die Covid-19-Pandemie in Europa noch relativ neu. Die von den Regierungen zum Schutz der Bürger verhängten Maßnahmen sollten bis zum Sommer 2020 wieder aufgehoben werden. Denn man erwartete, dass die von Covid-19 ausgehenden Gefahren relativ schnell zurückgehen würden.

Heute, über ein Jahr später, herrschen in weiten Teilen Europas immer noch Einschränkungen. Access International sprach mit Pedro Torres, CEO des großen Arbeitsbühnenvermieters Riwal, darüber, wie die Branche seit dem letzten Interview mit ihm im April 2020 zurechtgekommen ist und wo die Herausforderungen und Chancen für den europäischen Arbeitsbühnenmarkt liegen.

„Die Dinge liegen ganz anders als im letzten Jahr“, sagt Torres. „Wir arbeiten jetzt digitaler“. In den ersten Monaten der Pandemie ab März „mussten wir ein Krisenteam einrichten, um die Situation zu managen – mit wöchentlichen Treffen in allen unseren Märkten, um die Situation im Detail zu verstehen, Sicherheitsprotokolle zu erstellen, die gesamte Kommunikation zu überprüfen oder Investitionen zu verschieben.“ Ein Großteil dieser Besprechungen fand per Videokonferenz statt.

„Wir waren bei all unseren Investitionen sehr vorsichtig. Die Unsicherheit war einfach enorm. Niemand wusste, was in den nächsten Monaten oder Jahren passieren würde. Unser Ziel als Führungsteam war es, das Unternehmen für jede Art von Herausforderung resilient zu machen.“

„Dann begann sich die Wirtschaft zu bewegen. Wir gewöhnten uns daran, mit Covid zu leben, und die Auslastung unserer Maschinen begann wieder zu steigen.“ Darüber hinaus hatte das Unternehmen Sicherheitsmaßnahmen im Betrieb entwickelt und ermöglichte das Arbeiten im Homeoffice. „So waren wir in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres viel besser vorbereitet. Das Geschäft lief immer noch schleppend, aber deutlich besser als noch zu Beginn der Pandemie.“

Starke Erholung

Da die Impfkampagnen in ganz Europa zügig voranschreiten, hat das Jahr 2021 einen guten Start hingelegt – trotz der anhaltenden Einschränkungen, Verzögerungen bei großen Projekten sowie Material- und Logistikproblemen, erklärt Torres. „Für das 3. und 4. Quartal erwarte ich weiteres Wachstum und bin sehr optimistisch für die kommenden Jahre.“

Außerhalb Europas ist Riwal im Nahen Osten und in Indien tätig. Das Geschäft im Nahen Osten wurde nur geringfügig beeinträchtigt, während Indien in einer großen Krise steckt und ein ähnliches oder sogar größeres Maß an Unsicherheit aufweist als Europa im letzten Jahr. „Da es in Indien noch keinen Lockdown gibt und strategische Projekte im Allgemeinen weiterlaufen, besteht unsere wichtigste Herausforderung im Moment darin, unsere Mitarbeiter und ihre Familien zu schützen und zu unterstützen. Denn in Indien geht es etwas langsamer voran, da die Häfen geschlossen wurden. Davon ist das gesamte Team betroffen. Die Lage ist insgesamt schwieriger als in Europa.“

Mit Blick auf die Zukunft glaubt Torres, dass es im Jahr 2022 einen starken Aufschwung geben wird, zumindest in Europa. „Im Grunde genommen ist die Bauwirtschaft für jede Regierung und jedes Land der entscheidende Schlüssel für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Und wir haben viel aufzuholen. Daher bin ich grundsätzlich positiv eingestellt.“

Eines ist sicher: Covid hat die meisten Unternehmen gezwungen, neue Wege zu gehen. Und mit der Absage von Großveranstaltungen wie der APEX 2021 und der kürzlichen Verschiebung der Bauma 2022 scheint es, dass sich viele Dinge langfristig verändern werden.

„Covid hat die Dynamik des Geschäftslebens in vielen Branchen verändert, natürlich auch bei uns. Aber wir haben gelernt, uns an diese Situation anzupassen und das Geschäft mit den uns zu Verfügung stehenden Möglichkeiten weiterzuführen."

Über die bloße Anpassung an die Pandemie hinaus, sagt Torres, überdenken Unternehmen die Art und Weise, wie sie grundlegende Prozesse durchführen, zum Beispiel den Vertrieb. Torres zitiert einen aktuellen Bericht von McKinsey: „Etwa 70 bis 80 Prozent der Entscheidungsträger im B2B-Bereich bevorzugen heute digitale Kommunikationskanäle. „Natürlich wollen wir alle unsere Kunden und unsere Niederlassungen in verschiedenen Ländern besuchen“, sagt Torres. Daher glaubt er, dass es einen hybriden Ansatz geben wird: physische Meetings und Videokonferenzen. „Ich denke, das ist eine großartige Gelegenheit, zukünftig mehr mit unseren Managern und Mitarbeitern zu interagieren“, sagt Torres und ergänzt: „Diese neue Art des Arbeitens bietet die Chance, das Wissen und die Expertise unserer lokalen Teams noch mehr zu nutzen.“

Unterschiedlicher Ansatz

Vor der Pandemie war es erforderlich, dass alle wichtigen Mitarbeiter geographisch dicht beieinander lebten. „Heute haben wir Senior Manager oder Projektleiter in verschiedenen Ländern. Das war vor einem Jahr noch ziemlich schwierig oder zumindest ungewöhnlich.“

Kurz zurück zur Bauma: Wie wirkt sich die Verschiebung der weltgrößten Messe auf ein europäisches Vermietungsunternehmen wie Riwal aus? „Ich denke, es wird auch in Zukunft Messen als Präsenzveranstaltungen geben. Aber sie werden hybrider sein. Auch in Zukunft bleibt menschliche Interaktion wichtig. Aber Hersteller werden sich genauer überlegen, wo und wie sie investieren, um mit ihren Kunden in Kontakt zu kommen.“ Das, so glaubt Torres, gilt auch für Konferenzen oder große Geschäftstreffen. Sie werden zwar immer noch stattfinden, sagt er, aber die physischen Versammlungen werden seltener werden. „In der Vergangenheit gab es viele Versammlungen, bei denen vielleicht 200 oder 300 Leute anwesend waren. Jetzt kann man auch 1000 Leute online erreichen.“ Daher wird es auch hier einen hybriden Ansatz geben: Personen physisch vor Ort und gleichzeitig Online-Teilnehmer.

Bereits lange vor Beginn der Pandemie arbeitete Riwal aktiv an der Erweiterung seines digitalen Angebots mittels einer Reihe von IoT-basierten Lösungen, z. B. BIM. Diese werden jetzt zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Aber nicht nur Covid bereitet Sorgen „Mit die größte Herausforderung, die es im Moment zu bewältigen gilt, sind die Mietpreise“, sagt Torres. „Sie sind stark unter Druck geraten – und das aus verschiedenen Gründen.“ Einer ist natürlich die Pandemie. Hinzu kommen die langen Vorlaufzeiten der Hersteller, die nach Torres Einschätzung auch 2022 anhalten werden. „Das hat vor allem mit der Knappheit einiger Komponenten und der Reduzierung der Produktionskapazitäten aufgrund der Krise zu tun. Wir müssen die Maschinen lange im Voraus bestellen.“ Angesichts der starken Erholung des Vermietungsgeschäfts, die Riwal in ganz Europa erlebt, und der großen Vertriebsabteilung des Unternehmens in Form von Vertriebspartnern, hat man, wie Torres es beschreibt, eine „komplexe“ Situation.

Nebenbei bemerkt: Verleitet der Zustrom von Geräten chinesischer Hersteller auf den Markt Riwal dazu, eine Erweiterung seiner Flotte mit Arbeitsbühnen dieser Hersteller in Betracht zu ziehen? „Wir sind mit unseren Hauptlieferanten, wie JLG, sehr zufrieden, und wir stehen anderen Unternehmen wie Genie, Holland Lift, Skyjack und Magni sehr nahe“, lautet die Antwort.

Was die Chancen in Europa angeht, so liegt eine bedeutende in der steigenden Nachfrage nach elektrisch betriebenen Geräten. „Die Kunden verlangen nach nachhaltigen Maschinen, besonders in Nordeuropa. Dies ist zugleich eine Chance und eine Herausforderung aus Sicht der Preisgestaltung und des Flottenmixes. Aber für ein Unternehmen wie Riwal ist es eine Chance, da 65 Prozent unserer Flotte elektrisch betrieben wird und 90 Prozent der Investitionen im Jahr 2021 in elektrische Maschinen fließen werden. Unsere Vision ist es, dass bis 2030 90 Prozent unserer Maschinen in Europa elektrisch sein werden.“

Torres fügt hinzu: „Wir müssen bedenken, dass in Europa viele Städte zu Umweltzonen erklärt werden.“ Im Moment konzentriere sich das vor allem auf den Norden, „aber es bewegt sich schnell in den Süden.“ Eine zweite Chance ergibt sich aus dem Wachstum nach der Krise. „Es ist keine Wirtschaftskrise, es ist eine Pandemie – es ist ganz anders als 2008. Daher denke ich, dass es eine klare Notwendigkeit geben wird, schnell zu wachsen. Und die Bauindustrie wird in den kommenden Jahren eine der führenden Branchen bei der Erholung der allgemeinen Wirtschaft weltweit sein. Ich bin der Meinung, dass die Jahre 2022 bis 2023 starke Jahre für unser Geschäft sein werden.“

Konkrete Expansionspläne

Riwal legt seine Strategie in jedem Land, in dem es präsent ist, durch jährliche Betriebspläne neu fest. „Der Vorteil für Riwal ist, dass wir eine Flotte haben, die über 16 Länder verteilt ist. Das bedeutet, dass es viel Raum gibt, um den Marktanteil in einigen unserer bestehenden Betriebe in Europa zu vergrößern. Im Nahen Osten und in Asien haben wir meiner Meinung nach die gleichen Möglichkeiten. Indien wird einer der Märkte sein, in denen wir in den kommenden Jahren schneller wachsen wollen. Ich denke also, dass wir wirklich organisch und vielleicht durch Akquisitionen in diesen verschiedenen Ländern wachsen können.“

Diese Ambitionen sollen von einem ebenso beeindruckenden Investitionsaufwand begleitet werden. Zwischen 2016 und 2019 investierte Riwal über 250 Millionen in neue Maschinen. „Im Jahr 2020 wurde ein Großteil der Investitionen aufgrund der Pandemie verschoben, und im Jahr 2021 sind wir aufgrund der Unsicherheiten recht konservativ vorgegangen. Der Umschwung wird im Jahr 2022 kommen, für das Torres einen deutlichen Anstieg der Investitionen prognostiziert. „Da auch wir eine starke Erholung erwarten, sind wir jetzt mitten in der Diskussion, wo und wie wir investieren.